Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2609281-3184080--0575-3184684- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 Rückblick auf tavseiten Gesetze und Instruktionen allein über die Juden im Grosiherzogrhum Posen seit 1833 erschienen ist. Neben allem diesem schlug die hohe preußische Regierung noch einen eigenen Weg ein. Da in dem neuen Gesetze auch das Kultus-und Schulwesen geordnet werden soll, so wollte sie hierüber die Betheiligten selbst hören. Das Eigenthümliche hierbei war nur, daß sie säm m tlich en preußischen Gemeinden desfallsige Fragen vorlegte. — Wie soll man sich nun aus dem Babel.der Beantwortungen heraus finden? Noch eigener war es, daß sie den noch mehr im Gerüche der Orthodoxie stehenden östlichen Gemeinden 18 mehr in das Gebiet des jüdischen Ritualgesetzes streifende, den im Gerüche der Aufklärung stehenden westlichen Gemeinden 9, bloß faktische Zustände betreffende Fragen vorlegte. Ueber das weitere Schicksal der Beantwortungen verlautete noch Nichts. — Blicken wir nun in das wirkliche Leben, so bemerken wir in Preußen vielfache Bestrebungen, die den für alles Gute geweckten Sinn der Israeliten erweist. Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Juden in Berlin legte seine ungemein große Wirksamkeit im öffentlichen Rechenschaftsbericht dar; zu einem Mädchenwaiseninstitute daselbst wurden bedeutende Summen gespendet; die jüdische Armen - Kommission derselben Gemeinde zeigte in ihrem Status eine ausgezeichnete Organisation; zur rechten Wirksamkeit konnte dagegen der Berliner „Kulturverein" noch nicht gelangen. Anderseits zeigte der Berliner Magistrat seine Vorurtheilslosigkeit; indem er einen Beitrag von SV00 Thlr. für ein neues jüdisches Hospital spendete, und einen jüdischen Arzt als Stadtarmenarzt anstellte. Als im Gegentheil für den Ausbau des Kölner Dom's ein lebendiges Interesse entstand, betheiligten sich auch viele Juden zu Berlin mit namhaften Beiträgen daran. — Eine gleiche Thätigkcit zeigte sich in der Gemeinde Breslau, wo im verflossenen Jahre ein Verein zur Beförderung der Handwerke entstand, ein Lehr-und Lese- Verein und das Handlungsdiener-Institut ihren besten Fortgang hatten. Die leidigen Zwistigkeiten, die im Schooße