Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 95)
- Language
- German
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34 Rückblick auf Derselbe Redner hat selbst zugegeben, daß die bürgerliche Gleichstellung der Juden keine wirklichen Gefahren und Nachrheile für die Staaten mit sich führe, noch in den Landern, wo sie erfolgt, mit sich geführt habe, und um dennoch deren Zurückweisung zu rechtfertigen behauptet er, daß sie dennothwendigen Prinzipien des Staats widerspreche. Welches sind aber jene Prinzipien, welche eine Maßregel verletzen soll, wovon anerkannt worden ist, daß sie Gefahren oder Nachtheile für den Staat nicht erzeuge? Vorzugsweise ist es die im Laufe der Verhandlungen häufig ausgesprochene oder angedeutete Behauptung, daß die bürgerliche Gleichstellung der Juden mit dem christlichen Staate unvereinbar sei. Der Begriff des christlichen Staares ist eine Erfindung der modernen Philosophie, und zwar derjenigen der modernen Welt, welche der Anspruch, modern zu heißen, nicht erhebt. Was man unter jenem Begriffe zu verstehen habe, möchte nicht ganz leicht darzuthun, viel eher das Wort darauf anzuwenden sein: „denn eben, wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein." Nach jenem Begriffe wären Frankreich, Holland und Belgien keine christlichen Staaten; Spanien hingegen würde dahin gehören. Dem Scheinbegriffe eines christlichen Staates ist die historische Thatsache entgegen zu halten, daß die Christen eine Reihe von Jahrhunderten hindurch eine Judenverfolgung befleckt habe, welche in vielen Fällen alseine Entehrung der Religion und der menschlichen Natur bezeichnet zu werden verdient. Religionshaß, Vorurtheil, Aberglaube, Neid, Gewinnsucht haben abwechselnd auf den Juden gelastet und oft sich in Ausbrüchen unmenschlicher Grausamkeit kund gegeben. Der wahrhaft christliche Staat, so wie die christliche Religion, sollten es als eine heilige Pflicht erkennen, das vergangene und gegenwärtige Unrecht reuevoll zu tilgen." Nach einer Menge längerer und kürzerer Reden, die in der Mehrzahl sich unbedingt für die Gleichstellung aussprachen, machte es einen besonderen Eindruck, als der Herr Landtags-MarschaU selbst für die Gleichstellung sich erklärte. Nach einem kurzen Schlußreferat wurde zur Ab-