Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 147)
- Language
- German
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Glück und Wissen. 153 narienvogel zwitschernd von Stange zu Stange hüpfte. Der Knabe zählte damals vierzehn Jahre, und war schon lebensmüde wie ein siecher Greis; doch bei dem Anblicke des schönen Vogels erheiterten sich seine traurigen Züge allmälig und seine Augen erglänzten freudig. Der Vogel war ein Vermächtnis; seiner Mutter und das einzige Wesen auf Erden, das er liebte und von dem er wieder geliebt wurde. Er steckte ihm eine Mandel, die er in der Küche genommen, zwischen die Drähte und sogleich kam der Vogel heran gehüpft und pickte daran. Aber kaum hatte er einen Bissen verschluckt, als er ängstlich mit den Flügeln zu schlagen begann, von der Stange fiel und nach einigen Convulsionen starr auf dem Rücken liegen blieb. Auf das Angstgeschrei des Knaben kam der Mann mir dem rothen Rocke hereingestürzt, und als er aus dem starren Blicke des sprachberaubten Knaben den Vorgang erkannte, spuckte er wild aus und holte tief Athem. Dann schrie er heftig auf: Ungerathenes Kind! habe ich doch gemeint, das Feuer ist über dem Dache. Gewiß hast Du eine bittere Mandel dem Vieh gegeben. Es ist mir ganz lieb, daß es krepirt ist, Du nimmst dir nur den Kopf mit solchen Dummheiten ein, und dein Lebtag wird nichts aus dir werden. — „Darauf ergriff er den armen Vogel beim Flügel und schmiß ihn qus dem Fenster in den Hof. Der Knabe Jsak aber stürzte leblos zu Boden. Als er wieder zu sich kam, fühlte er sich sehr matt und siech. Dennoch schleppte er sich mühsam in den Hof, um seinen geflügelten Freund wieder zu sehen. Stundenlang betrachtete er das so schnell hingeraffte Geschöpf, das vor Kurzem noch so heiter gehüpft und gezwitschert, und meinte, es müsse gewiß wieder Leben und Stimme drein kommen, bis endlich ein kalter Herbstschauer ihn weckte. Um das geliebte Wesen vor der Mißhandlung des Regens zu schützen, machte er ein Grab, legte es mit Ziegeln aus und wie dann der aufgelegte Ziegel und die Erde den kleinen Freund seinen Augen entzog, ergriff ihn bittere Hoffnungslosigkeit und sein bis dahin trockenes Auge vergoß Thräne auf Thräne. Von dem heftigen