Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1843-01-01 · 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843) · p. Seite 152

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
Date
1843-01-01
Page
Seite 152 (sequence 146)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2609281-3184078--0394-3184502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

152 Glück und Wissen. stören, sondern begnügte sich, dem Herrn Jeremias Eichberger ein Baruch Haba entgegenzurufen, und einen wilden Blick über seine Heerde hinschweifen zu lassen, der ihr wohlverständlich sagte: Wer sich während des Besuches rührt oder muckset, wird acht Tage lang seinen Buckel kratzen dürfen. Guten Morgen, Rabbi Zodik, sagte der Herr Jeremias, nicht im geringsten über den unhöflichen Empfang verwundert. Denn zu jener Zeit war Grobheit, und jegliche Absonderlichkeit das Privilegium eines tüchtigen Talmudisten, und als einen solchen hatte sich Rabbi Zodik bei jeder Drascha in der Synagoge sattsam bekundet. Rabbi Zodik war endlich mit seiner Augiasarbeit fertig geworden; um seiner Sache gewiß zu sein, blies er noch durchs Rohr, und als er seinen Athem frisch durchstreichen hörte, ging er seinem Besuche heiterer gestimmt entgegen. Aber selbst in dieser verbesserten Laune war noch seine Miene, sein Blick und der Ton seiner Stimme so rauh und barsch, daß der Knabe Jsak zusammenfuhr als er ihn anredete: Was hast Du schon gelernt? — Chumisch mit Raschi, antwortete der Vater für den Sprachlosen. — Verächtlich erwiederte Rabbi Zodik: In dem Alter habe ich schon geleint. — Herr JeremiaS sagre, er hoffe auch, daß sein Sohn bei Rabbi Zodik schon was Rechtes in der Gemara lernen werde. — Rabbi Zodik antwortete auf das Kompliment bloß mit einem Blicke, der deutlich sagte: daS will ich meinen, ich würde den Jungen sonst zu Brei schlagen. — Nachdem sich noch die beiden Alten leise wegen des Honorars besprochen, ging Jeremias Eichberger nach Hause und der Knabe Jsak blieb in der Schule. Unglückliches Kind, seufzte hier wieder der sinnende Doktor und bedeckte die Augen krampfhaft mit den Händen, als wollte er sie verhindern, indem düstern Bilderbucheseiner Jugend weiter zu lesen. Aber die Bilder waren in seine Seele gegraben und die Blätter legten sich von selbst um.- Da stand wieder der Knabe Jsak bleich, gehärmt und abgehetzt vor einem Vogelbauer, in welchem ein schöner Ka-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.