Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 144)
- Language
- German
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150 Glück und Wissen vor der Heftigkeit des Vaters.-Weiter kam er nicht im Walten der Mutter; denn diese Bilder tauchten in seiner Seele aus dem eignen Leben auf und seine Mutter war gestorben, da er erst acht Jahre zählte. Aber einmal in seine Jugend zurückversetzt, sah er nun deutlich einen finstern Mann neben sich in einem langen rothen Rocke mit großen stählernen Knöpfen. Der Mann war schon ziemlich alt seiner blühenden Mutter gegenüber; er hatte eine lange gebogene Nase, Pockennarben im Gesichte und starke Runzeln auf Stirn und Wangen. Er sprach selten, brummte aber viel, klagte häufig über schlechte Zeiten und das Zunehmen der Concurrenz und hieß Jeremias Eichberger. Immer lebendiger ward das Bild dieses Mannes in der Seele des sinnenden Doktors , und verschiedene Beziehungen wurden ihm klar zwischen diesem und einem schönen braunlockigen Knaben, mit welchem sich J sa k in gleichem Rapport fühlte, wie ein Träumer mit seinem geträumten Ich. -- Einmal, es war in der Nacht des Jom Kipur, saß dieser Knabe in der Synagoge auf der Betstelle seines Vaters. Hunderte Lichter brannten auf den messingenen Hängleuchtern und hundert andere große Kerzen aus rohem gelben Wachse stacken in Kisten, die mit Erde gefüllt. Dieselben Kerzen waren alle unten von einem Zettel umwickelt, worauf mit großen Lettern diverse Gebete standen. Die Synagoge war zum Ersticken voll von Leuten in weißen Sterbekleidern, die alle mit dem Oberleibe wackelten und so laut als möglich aus gewaltig großen Büchern beteten. Wenn sie schwiegen, ließ sich aus der Tiefe der Halle der Gesang des Vorbeters vernehmen, der bald zum wilden Schrei der Verzweiflung an-- schwoll, bald in das Stöhnen eines zum Tode Gemarterten zerfloß. Den Knaben betäubten die durcheinander wirbelnden Stimmen, der Lichter-und Menschenqualm; seine 'Augenlieder sanken, sein Köpfchen fiel auf die Brust und seine Seele gerieth in jenen friedlichen Zustand, der sehr glücklich wäre, wenn es keine Träume gäbe. Der Knabe aber träumte, er