Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 142)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2609281-3184078--0390-3184498- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 Glück und Wissen. Nachdem der vr. Jsak Eichberger das Recepisse unterschrieben und das Porto bezahlt hatte, verschränkte er die Arme und blickte den Brief mit so verwunderten Augen an, als hatte ihm ein Naturforscher, oder gar ein Gnome selbst, ein ganz neues Material aus dem Mittelpunkte der Erde zugcsendet. Ein Brief war etwas Unerhörtes im Leben Jsak Eichbergers. Er hatte noch nie ein solches Ding erhalten noch weniger geschrieben, nicht einmal einen Mahnbrief, noch weniger einen Liebesbrief. Wie Jsak Eich berger nun das fremdartige Ding, das so plötzlich in sein sinnendes windstilles Leben hereingeworfen war, anstaunte, kam es ihm so verfänglich vor wie die glatte Fläche eines tiefen Wassers, die einem ganz neue wundersame Welten vorspiegelt, die da tief unten lägen, bloß um den armen Bethörten hinabzuziehen. Höhnisch verzog er daher die Lippen, wie ein Mann, dem man nicht leicht was vormachen kann, stieß den Brief mit dem Ellenbogen weg, und ergriff wieder die Feder um weiter zu rechnen. Aber er vermochte es nicht; das Siegel blickte ihn immerfort wie ein rothes Auge an. Nun warf er erzürnt sein Taschentuch über das unheimliche Papier; damit hatte er es jedoch nur noch schlimmer gemacht; es war ihm als seufzte es kläglich hinter dem Tuch hervor. Am besten, dachte er endlich, man macht es wie mit vermeintlichen Gespenstern: man geht gerade darauf los und das Schreckniß wird dann zu einer weißen Baumrinde, einem flatternden Fetzen, einem elenden Betrunkenen. Rasch öffnete er also den Brief und versank nach einigem Lesen in tiefes Sinnen. Der Brief enthielt wohl eine traurige Nachricht, aber nichts was einen Andern zu sonderlichem Nachdenken angeregt hätte. In drei Zeilen berichtete ihm nämlich ein Bewohner seines Geburtsortes, wie Jeremias E ich b erg er, Jsak's Vater auf den Tod darniederliege, und vor fernem Ende sein einziges Kind noch einmal sehen möchte. — Allein es dauerte eine geraume Zeit bis die gemüthlichen Beziehungen zwischen