Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 138)
- Language
- German
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143 An die Jugend Israels. verfliegt, der täuschende Nebel schwand, dann erröthen wir, wie Hiob sagt, daß wir gehofft, und statt der erwarteten Quellen der Freude, zeigt sich uns eine dürre Wüste, unter des Mittags sengenden Strahlen. Was enthüllet dir dies wunderbare Geheimnis; deines Herzens; den Schmerz bei der Lust, das; in den seligsten Augenblicken deines Lebens dich Wehmuth ergreift und du weinest statt zu jauchzen? -- und was erklärt dir wiederum die geheime Lust bei dem Schmerze, daß, wie Salomon sagt: „bei traurigem Gesichte das Herz fröhlich" ist? denn mitten unter den Schmerzen, unter den Trauerklängen der Erde, wenn, was du liebtest erblich, wenn, was du hofftest verschwand, wenn, was du wünschtest nicht kam — zieht es da nicht, unter all dem innern Bangen, wenn der Gedanke an Gott dir in die Nacht deiner Leiden hineinleuchtet, zieht es da nicht wie ein süßer Trost durch deine Seele? Du fühlst es und erstaunst, du begreifst dich selber nicht, deine Thränen fließen reicher, und doch erheitert sich dein Herz. Was bedeutet uns dies? Es ist das Streben der Seele zu Gott, das überirdische Sehnen eines Wesens, dem, wie die Schrift sagt, Gott die Ewigkeit in's Herz gegeben, und das nunmehr die Gaben der Zeitlichkeit nicht ausfüllen; es ist der heilige Stolz der Seele, die einen Augenblick ihre wahre, ihre göttliche Heimath vergaß, und sie jetzt in der Erinnerung wiederfand. Ein Zwiefaches also waltet in unserer Brust, Erde und Himmel, Zeitlichkeit und Ewigkeit, und wenn nun Kampf beginnt zwischen beiden, wenn dieser Zwiespalt sich nicht versöhnt, wenn das Zeitliche in uns sich nicht losringen kann von der Erde, und doch all das innere Bangen und Sehnen uns sagt, daß das Leben, das wir dort suchen, nur ein Scheinleben sei «~ dann ist Glück und Frieden für immer uns verloren; denn was der Frühling brachte, ist bald entblättert, und an dem Himmel unserer Hoffnungen löscht ein Gewölk gar leicht die schönsten Sterne aus. Wußten wir das wahre Paradies der Seligkeit nicht zu finden — jenes,