Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 96)
- Language
- German
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98 Zur Charakteristik nahm mit freundlicher Empfänglichkeit die Eindrücke der Zeit in sich auf, und scheute sich nicht, dies offen zu beurkunden. Sein Plan war Anfangs, wie er selbst ihn in der ersten jener vier Schriften angibt, das Volk zu belehren: 1. Ueber die Quellen des mosaischen Ritualwesens; ihm die Interpretationen der einschlägigen Schriftstellen nach den Grundsätzen einer rationellen Hermeneutik rc. nach den Ansichten des Talmuds vorzulegen. 2. Ueber die israelitischen Religionsdogmen, mit steter Hinweisung auf die biblischen Quellen und die praktischen Folgerungen, die daraus gezogen werden können. 3. Ueber die Geschichte des jüdischen Ritualwesens, mit Hinweisung auf diejenigen Erleichterungen, die sich jeder selbst, ohne Verstoß gegen den Talmud, erlauben kann. Dieses Ganze sollte in drei entsprechenden Schriften erschöpft werden. Allein die Entwickelung der Zeitgeschichte trug augenscheinlich dazu bei, daß dieser auch an sich nicht ganz klar gefaßte Entwurf in der Ausführung abgeändert werden mußte. Schon der zweite Band befaßte sich einzig und allein mit der Aufgabe, die Ritualgesetze auf die möglichste Uebereinstimmung mit den unabweislichen Forderungen des bürgerlichen Lebens, und zwar mit steter Berücksichtigung talmudischer Grundsätze zu reduciren; und der dritte will das Verfahren zeigen, welches bei den zur Befestigung der mosaischen Lehre nothwendigen Reformen eingeschlagen werden müsse, besonders um zugleich die Beschuldigung der Neolo gie abzuwehren, eines Begriffes, der kurz vorher in öffentlichen Verhandlungen gangbar geworden, und mir welchem man irrthümlich die Rückkehr zur echten Orthodoxie bezeichne; bei dieser Gelegenheit werden auch die Ritualquellen näher beleuchtet; das Geschichtliche ward dann erst einem vierten Bande anheimgestellt. Diese Verschiedenheit in der Ausführung wäre aber nicht bedeutend, wenn nicht in dem Innern eine gänzliche Umwandlung sich zeigte, die sich eben nur aus der Geschichte der Zwischenjahre erklären läßt. Im Tharjag werden die 613 Gesetze (nach Mose