Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 94)
- Language
- German
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96 Zur Charakteristik wer nur einen Blick geworfen hat auf die Frühreife, mit welcher die jünger» Schößlinge sich vordrängen, auf das Gesprüh'e der ersten Geistesfunken, die eiligst allen entzündbaren Stoff ergreifen und eine flackernde Flamme aufjagen, auf den knabenhaften Wetteifer in kleinen Kampfspielen, die nur in Bloßstellung des Gegners, in Verkleinerung fremder Verdienste, in Enthüllung fremder Schwächen den Sieg erstreben, statt durch meisterhafte Werke des Fleißes und angestrengter Geisteskraft; — der wird mit uns jene Bescheidenheit zu würdigen wissen, und desto höher den Mann achten, welcher, mitten unter vielfältigen Berufsarbeiten, in seinen wenigen Mußestunden die hebräische Bibel und die syrischen und arabischen Versionen, den Talmud und die Commentarien und die Rechtsgutachten der Rabbinen, die Klassiker der Griechen und Römer, wie die der Deutschen, Italiener und Engländer, die mathematischen und phhsi'kalischen Schriften der alten und der jünger» Welt, die neuesten historischen, geographischen und andere einschlägige Werke, und überhaupt alle Erscheinungen im humanistischen Fache durchforschte, in sich aufnahm und mit besonnener Kritik verarbeitet '. Creizenach warf sehr oft einen prüfenden Blick in sein Inneres, und kam immer auf das Ergebniß zurück, welches er der vertrauten Freundschaft unumwunden darlegre: Er betrachtete sich nur als einen tüchtigen Lehrer, und als einen Schriftsteller, der eher berufen sei, vorliegendes Material einem größer» Kreise von Lesern zugänglich zu machen, als Neues aufzufinden und mit Andern zu ringen. Wirklich war er ein Feind aller Ostentation, und so wenig wie er Andern die Wege zu versperren strebte, so wenig machte er auch selbst dasjenige geltend, was der unwissenden Menge so oft einige Gunst abgewinnt. Er liebte nicht pomphafte Ankündigungen, spreitzte sich nicht mit empfangenen Beweisen von Anerkennung, suchte nicht mit Umschreibungen seines Berufes: als Prediger, oder Theologe, oder Orientalist, und wie die Schnörkel alle heißen mögen, zu glänzen; aber wenn