Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 59)
- Language
- German
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59 Gemeinde zu Wien. den verschiedenen Provinzen der Monarchie hier an, da ihnen ohne große Schwierigkeiten die Erlaubnis;, hier Geschäfte zu treiben, und wenn sie sich nur einigermaßen auswiesen, daß sie eine Familie durch soliden Erwerb ernähren könnten, auch die hiesige Toleranz auf die leichteste Weise ertheilt wurde. — Als ich den 1. August 1784 von Preßburg nach Wien kam, wohnten hier etwa 60 jüdische Familien, von denen die Familien: Hönigsberg, Hönigshof, Arnstein, Wertheim und Leidersdorf zu den angesehensten gehörten. Sie führten alle ein frommes, patriarchalisches Leben, und da ihnen nicht gestattet war, eine Gemeinde zu bilden, hatten die Häupter der bedeutendsten Familien in ihrer Behausung für sich und ihre Angehörigen besondere Betzimmcr, wo die gemeinschaftlichen Gebete (Minjanim) abgehalten wurden. Das in demselben Jahre gestellte Ansuchen, ein allgemeines Bethaus errichten und einen Rabbiner anstellen zu dürfen, wurde höchsten Ortes abgewiesen, weil die Anzahl der hier wohnenden Israeliten noch zu gering schien. Die zeitweise sich hier aufhaltenden Israeliten mietheten aber ein Locale in dem Hause zum „weißen Stern", wo sie täglich Morgens und Abends ihr Gebet gemeinschaftlich verrichteten, und das dann später, da die Minjamm eingingen, auch von den meisten hier tolerirten israelit. Einwohnern besucht wurde. Der damalige Inhaber des Frauenbades Namens Koppel Drach und dessen Schwager Beer Menzeles, aus Nikolsburg, standen diesem Betzimmer vor, und der im Hause wohnende Koscher-Weinschenk verrichtete unentgeldlich den Vorbeterdienst an demselben. Nach dessen Tode wurde im Jahre 1702 Koppel Markbreiter, aus Nicolsburg, durch Beer Menzeles als Vorbeter empfohlen und angestellt. Nachdem Koppel Drach mit Tode abgegangen, nahm sich besonders Aron Todesco der Leitung dieses Betzimmers an. Im Jahre 1792, wo Kaiser Franz II. die Regierung antrat, hatte sich die Anzahl der hier tolerirten Israeliten