Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 1 = Jahr 5603 (1842-1843) (1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 212)
- Language
- German
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r der Väter. 163 Schrift aufzubewahrcn, um sie der Vergessenheit zu entreißen. Nicht um gelesen zu werden, sind die Sprüche der Väter ursprünglich entstanden, sondern als das Produkt der unmittelbaren Lebensverhältnisse. Obgleich aus ernster religiöser Betrachtung hervorgegangen, liegt ihnen doch anderseits überall die praktische Erfahrung zu Grunde; das Ergebniß eines ganzen Lebens ist hier zuweilen in einen einzigen Spruch zusammengedrängt. Diese Sprüche sind Schlaglichter und Gedankenblitze, mit denen tiefsinnige, zwar unverwandt nach einem Punkte hinblickende, aber durchdringende Geister zurveilen plötzlich eine ganze Reihe von Verhältnissen und Beziehungen erleuchten; sie sind der lebendige Ausdruck des Volksbewußtseins und der wesentlichsten Richtung ihrer Zeit, indem sie die Verirrungen derselben und das Ziel, nach dem die Bessern in ihr gestrebt, zugleich anzeigen. Solche Sittensprüche bilden eine wahre Lebensesenz, aus dem Leben gezogen für — das Leben. Freilich mögen sich manche Aussprüche auf Verhältnisse und Zustände bezogen haben, die uns fremd sind; aber was gewissen Zeiten ferne liegt, kann unter andern Umständen gerade wieder seine volle Bedeutung und Wahrheit erhalten, und der Werth dessen, was auch für uns Geltung hat, ist um so höher anzuschlagen, als es nicht, wie die selbstbeschaulichen Reflexionen moderner Schriftsteller, aus abstrakter Bücherweisheit entstanden ist. Wer sich irn Gebiete der Literatur mit prüfendem Blicke umgesehen, weiß, was das heißen wolle: Weisheitslehren, die der unmittelbare Ausdruck des Lebens sind. Gewiß geschah es nach einem richtigen Tacte und im Gefühle dessen, was dem Volke eigentlich noth thue, daß die Spruche der Väter, abwechselnd mit den „Wanderliedern,"