Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 1 = Jahr 5603 (1842-1843) (1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 75)
- Language
- German
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18 Rückblick auf tinopel die wichtigste Stadt im Orient. Unter seinen 300,000 Seelen mögen sich etwa 3000 Juden befinden, die man, um sie näher kennen zu lernen, in drei Klassen abzusondern genöthigt ist. Die arabischen Juden, etwa 2000, bewohnen wie die Griechen, Kopten, Franken und Araber ihr eigenes Quartier, welches, wie die andern 52 Stadtviertel Kairos, eine Stunde nach Sonnenuntergang geschlossen und bei deren Aufgang erössnet wird. Wie die andern Sekten, haben auch sie ihre eigene Uniform. Ihre Straßen sind so eng, daß ein korpulenter Mann sie kaum passiven kann. Ihre Wohnungen sind zwar von außen armselig, bieten aber im Innern manche, dem Klima angemessene Bequemlichkeit dar. Mehr als ein Viertel dieser Bevölkerung ernährt sich vom Geldwechseln, und wir haben keine Münze in Europa, die hier nicht Cours findet. Der Krieg zwischen der Pforte und Aegypten, wo .jeder dieser beiden des Andern Geld außer Cours setzte, hat günstig auf dies Geschäft gewirkt. Ein großer Theil bewohnt den Bazar, nach Konstantinopel der reichste im Orient. In sieben schlecht gebauten Synagogen verrichten sie ihren Gottesdienst, in jeder derselben befindet sich ein Gegenstand ihrer Verehrung. — Sie zahlen eine kolossale Vermögenssteuer dem Pascha, der sie nach Belieben erhöht und herabsetzt. Gegen Geldvergütung sind sie frei von Conscription, besitzen ihre eignen Richter, selbst eine Art von Appellhof) doch bedürfen Todesurtheile der Bestätigung des Pascha. Vergehen gegen die Religion bestrafen nicht selten sehr hart die Rabbinen. Die zweite Klasse von etwa 600 Seelen bilden die Karäer. Ueber die dritte Klasse läßt sich wenig sagen. Sie besteht aus etwa vierzig italienischen Familien, die mitunter lange Zeit in Kairo wohnen. Ihre europäische Kleidung und die große Begünstigung, die sie genießen, stellt sie so hoch, daß sie mit einiger Geringschätzung auf die Unterthanen Mehemed Ali's herabblicken können. Wie alle Franken im Orient geben sie keine Steuern, wissen nichts von Conscription noch Nationalgardendienst, treiben jeden Handel, der ihnen beliebt, und finden eine unparteiische Justiz bei ihrem Konsul. Schon die Unkenntniß der arabischen Sprache trennt sie förmlich von ihren Glaubensgenossen.