Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 339)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2609281-3183021--7005-3184028- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
304 ßischen Abgeordnetenhause trug vr. Kosch darauf an, die für die Königsbergs Universität geltende Bestimmung, welche Juden und Katholiken von der Lehrkanzel ausschloß, aufzuheben. Am 13. Januar d. I. kam endlich die Petition um Verwirklichung der Artikel 6 und 12 der preußischen Verfassung, die UngiltigkeitSerklärung der der Verfassung widersprechenden Bestimmungen und die Beseitigung verfassungswidriger Minifterialrescripte zur Sprache. Die Commission beantragt, die Petitionen der Regierung zur Abhilfe zu überweisen. Die Meisten sind damit principiell einverstanden und der Antrag wird mit 171 gegen 80 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten nur die Conservativen, die Katholiken waren alle dafür. Auch die bayrischen Gemeinden rafften sich zu - Petitionen in diesem Sinne auf und fanden Gewährung. Aufsehen erregte dagegen, daß einige Schweizer Cantone unter dem Vorwände des ThierschutzeS, den Juden das rituelle Schlachten der Thiere verbieten und in die inner» religiösen Fragen eingreifen wollten. Die Gutachten der Crperten lauteten aber alle zu Gunsten unseres Ritus. Im Allgemeinen läßt sich behaupten, daß die Judenfrage in Westeuropa zu den überwundenen Angelegenheiten zählt, nur der Südosten und Südwesten liegen theils in Folge der Barbarei, theils durch die Nachwehen, welche die Inquisition noch hinterlaffen hat, an der Krankheit des Menschenhaffes schwer darnieder. Während in Preußen die Regierung, die weit hinter den im Volke lebenden liberalen Ideen zurückbleibt, denn doch nicht nmhin konnte, von den Traditionen deS Hohenzoller'fchen Hauses abzugehen, ist in Frankreich die letzte Spur des Einflußes einer Confeffion auf gesetzliche Bestimmungen geschwunden. Gerade den Verhandlungen um die Königsberger Universität gegenüber, mußte es überraschen, daß zu gleicher Zeit in Paris für den erledigten Lehrstuhl der Therapie und Materia medica Dr. Säe ein Jude primo loco vorgeschlagen wurde. Welche riesige Fortschritte macht daselbst die all. isr. universelle und in welchem andern Lande wären die Juden im Stande einen ähnlichen Verein in Wirksamkeit zu setzen! Die französische Akademie ertheilt fortwährend Preise an jüdische Mahler, Dichter, Bildhauer, ohne sich jemals um deren Confeffion zu erkundigen.