Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 321)
- Language
- German
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— 286 - Auch merkwürdige Frauen gab es in der Prager Judengemeinde; die originellste und geistreichste unter ihnen war wohl die noch heutigen Tages durch ihre praktischen Ansichten und Sprüchwörter berühmte Kela Neustadtl. Sie sagte zu ihrem Sohne: Lern bei Tag und schlaf bei Nacht, bleibst du gesünder und ersparst nebenbei Licht. Eine andere hartherzige aber doch kluge Frau F. I. sagte: „Neunundneunzig Mal unter 100 Fällen ist arm sein : Mange l an Thätigkeit, und das lOOste Mal ist es Dummheit. ■ Kela Neustadtl sagt zu ihrem Sohne: Durch eine glänzende Heirath sein Glück machen ist in den meisten Fällen einen neuen Rock anziehn mit zerrissenem alten Futter- Von außen sieht alles herrlich aus; von innen aber ist überall Jammer und Elend. Wenn ich einen ehrlichen Beamten bestechen will, muß ich geben, daß er die Nacht nicht schlafen kann. Ein merkwürdig scharfsinniger Ausspruch von ihr ist folgender. Kelas Arzt sagte : Ich sorge für Ihr theuerstes Gut, für Ihre Gesundheit, und bekomme im Jahr nicht den vierten Theil der Summe, die sie an Ihren Advokaten bezahlen, der doch nur um Ihr sonstige Habe besorgt ist. „Freund," antwortete Kela: „Dem Adyokaten geb ich die Prozeß-Akten und er nimmt sich meine Krankheit hübsch nach Haus. Wollen Sie sich lieber Dokter auch meine Krankheit nach Haus nehmen, so sollen Sie ebenfalls besser honorirt werden. Wir werden diese Anekdotensammlung im nächsten Jahrgange fortsetzen, und die Literatur der fahrenden Magidin, die eine sehr reiche Ausbeute verheißt, dazu benützen.