Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 303)
- Language
- German
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Pole, der in Folge des TrunkeS schwerhörig ward, konsultirt einen deutschen Arzt, der ihm vor Allem verordnet, dem Branntwein zu entsagen. Einige Wochen hindurch beherrscht sich der Pole, die Kongestionen zu den Gehörsorganen lassen nach, er besucht wieder die Talmudvorträge eines deutschen Rabbiner, belohnt aber seine Selbstmäßigung damit, daß er wieder zum Trünke zurückkehrt, wird rezidiv und klagt dem Arzte sein Leiden. Haben Sie, fragt dieser, meinen Rath befolgt? „Ja wohl, ich ließ den Branntwein, ich hörte wieder wie vormals, aber Herr Doktor leben, Alles was ich hier in Deutschland hörte, war nicht so gut wie Branntwein." Die Deutschen charakterisiren die polnische Sophisterei durch folgende Persiflage: Ein polnischer Rabbi werfe die Frage auf: Warum schreibt man Haman mit einem Pe, man braucht ja gar den Laut Pe nicht, um Haman äuszudrücken? Antwortet man ihm aber, Haman werde ja gar nicht mit Pe geschrieben, so wirft er gleich ein: Ei» warum schreibt man es nicht mit Pe — Du sagst ihm, weil man den Laut Pe gar nicht brauche, um es auszudrücken. Aha! beeilt sich sogleich der Pole zu entgegnen, Ihr sehet, ich hatte ursprünglich Recht zu fragen: Wozu braucht man das Pe bei Haman? — Der Pole rächt sich für die Persiflage, und remonstrirt gegen die deutschen Prediger, denen er seinerseits wieder leere Phrasenmacherei vorwirft, in folgender Weise: Wenn ich einen deutschen Prediger anhöre, dann wird mir ein Bibelvers im Kohelet klar; daselbst heißt es: Jedes Ding hat seine Zeit. Es gibt eine Zeit zum Pflanzen, zum Entwurzeln, zu tobten, wie zu heilen, einzureißen, aufzubauen u. s. w. Alle diese Ge-