Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 291)
- Language
- German
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256 begreifen, wozu unfromme Juden am Sabbate ihre Kauf» lüden offen halten — da man doch am Sabbate nicht kaufen und verkaufen dürfe. In Prag war bereits das Gesetz promulgirt, daß Niemand eine Talmudschule besuchen dürfe, ohne seine Mschyftigung mit weltlichen Lehrfächern nachzuweisen. Nun nannte man aber das ganze All außertalmudischen Menschlichen Wissens „Deutsch" — und deutsche Bücher lesen, hieß so viel als ein Jünger der Wissenschaft sein. „Wie gehet es Dir mit dem Deutschen," fragt ein Rabbi einen seiner Jünger, der erst kürzlich lesen und schreiben gelernt hatte? „Gut, dem Himmel sei es gedankt — nur die Jungfrau von Orleans habe ich noch zu lesen, dann bin ich mit dem Deutschen fertig." , Ein Chassidrebben, der zugleich den Schofar am Neujahrstage blies, befahl dem Synagogendiener, er solle um die Bußezeit, wenn er die Gläubigen noch vor Tagesanbruch zu den Selichoth weckt, auch in die Christenstadt gehen, um dort die Leute aus dem Morgenschlafe zu schreien. Natürlich ward der arme Küster übel zugerichtet und mit Schimpf und Schande in's Ghetto zurückgejagt. Am. Neujahrstage -vor dem Schofarblaseu, -begann der Rabbiner folgende Erörterung an den -lieben Gott zu udressiren: „Herr der Welt! du hast's gesehen, wie ich alle Welt zu Selichoth rufen ließ und doch ist nicht Einer, der nicht deinem -Volke Israel -angehört, herbeigekommen. Den Küster haben sie geprügelt und die Selichoth,>regelmäßig verschlafen. Nur deine Jüdlein sind gekommen und haben deinen Willen -vollzogen. Wie -über, benimmst du -dich dem