Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 289)
- Language
- German
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254 Ein T. soll einen Schüler, der schon modern erzogen 'wird, examiniren. „Was lernst Du?" Französisch, englisch, Geographie, Geometrie.—Der Alte meint, die Geographie sei auch eine von den lebenden Sprachen, und fragt: „Wie heißt ein Kätzele (Kätzchen) auf Schegrafie?" Die Unwissenheit der Talmudisten in weltlichen Dingen war so notorisch, daß die Frauen die Geschäfte führen mußten, während die Männer bei ihren Folianten saßen. Gelangte nun eine amtliche Vorladung an den Mann, so erschien die Frau vor Gerichte ihren Gatten zu vertreten, „denn, sagte sie, mein Mann ist ein Gelehrter und kann als solcher weder lesen noch schreiben." In Polen saß ein solcher Gelehrter auf dem Rabbinatsstuhle und wurde von der Regierung wegen seiner Unfähigkeit des Amtes enthoben. Der Vorstand kündigt ihm die Suspendirung an, der Rabbiner nimmt sie mit Ergebung in den Willen Gottes, den er darin erkennt, auf und ist nur neugierig den Grund zu erfahren. Der Rabbi kann zu wenig deutsch für diesen Posten, bedeutet ihm der Vorsteher. Ganz zerknirscht ruft der demutsvollc Mann: „O, Herr der Welt! Ich wußte es ja selbst, daß ich dieser Stelle unwürdig bin, daß in mir weder Thora noch Chochma, weder Frömmigkeit noch Tugend ist, daß ich nichts weiß, nichts kann — aber daß ich sogar nicht einmal deutsch kann — das habe ich nicht gewußt — O! ich Elender!" Die Franzosen, erzählte jemand in Gegenwart eines solchen Polyhistorikers, haben wieder eine Schlacht gewonnen. „Was heißt eine Schlacht gewinnen? Kann