Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 286)
- Language
- German
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251 um die Leute an seine Laxheit in der Observanz zu gewöhnen, beginnt er damit, immer etwas später zum Frühgebete in die Synagoge zu kommen. Er erscheint endlich unmittelbar vor dem Hauptgebete „Schema." — Ganz erschrocken wendet sich Mosche Wolf Ausch zu ihm und sagt: „Wie waghalsig Ihr doch seid! — Ehe man die Hand umdrehet, hättet Ihr die Schema-Zeit versäumt." Man denke : Diese Gefahr! Der Gatte einer frommen Jüdin nahm es mit dem Fasten nicht sehr genau, und aß am 9. Ab heimlich so viele Fleischspeisen, daß er sich eine Indigestion zuzog. Am Abende muß er sich zu Bette legen, der herbeigerufene Arzt merkt bald, was geschehen ist, gibt ihm ein Mittel zum Vomiren und nun kommen die Trümmer der allzureichen Mahlzeit zum Vorscheine. Die Frau aber, die sich einen Juden nicht so sündhaft denken konnte, daß er am 9. Ab Speisen, ja sogar Fleisch zu sich nehmen werde, glaubte steif und fest, Ihr Gatte habe nach Vorschrift schon seit 9 Tagen nichts anderes als Milchspeisen genossen. „Armer Mann," rief sie lieb- und theilnyhmsvoll aus. „Was mußt Du gelitten haben, als Du neun volle Tage so unverdauliche Speisen mit Dir still und leidend herumgetragen." Man kommt am Abende des Versöhnungsfestes, das man durch strenges Fasten gefeiert, nach Hause. Hungerig setzt man sich zu Tische und läßt jeder Schüssel Gerechtigkeit widerfahren. Zuletzt soll noch eine mit Gänsefett bereitete Torte das Mahl beschließen. Aber die Torte ist nicht zu finden. Endlich rückt die Köchin mit