Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 260)
- Language
- German
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225 fruchtverheißenden Acker echter jüdischer Theologie brach liegen, und wundern uns dann, daß die Disteln und Dornen des Unglaubens und des Aberglaubens üppig auf demselben emporschießen. So kann, so darf es nicht länger unter den Juden in Oesterreich bleiben, die für jeden Stamm Jsrael's ihr Hunderttausend aufstellen. Sollte die Wissenschaft des Judenthums an diesen zwölfmal hunderttausenden, darunter so Viele von Geist und mit Mitteln ausgerüstet und von Herzenswärme für Erhaltung und Befestigung ihres Glaubens beseelt, noch immer, wenn auch sie um die ihr gebührende Pflege bittet, als zudringliche Bettlerin abgewiesen werden? Sollen die Ohren, die sich so willig dem leiblichen Elend erschließen, taub und unerreichbar bleiben für geistiges Weh, und für jene Verkommenheit, die den Grund zu jeder sonstigen legt? Die Hoffnung, daß es nicht so kommen kann und wird, wäre eine um so berechtigtere, als nicht wie ehedem die Wissenschaft und das Leben ihre abgesonderten Wege gehen. Die Lehre beschränkt sich heut zu Tage nicht mehr auf den engen Kreis von Lehrenden und Lernenden, das ganze Volk ist berufen daran Theil zu nehmen, und zu ihren Früchten herangezogen werden. Von dem Zeitpunkt an, als der Gottesdienst aufhörte ein leeres Formenwesen zu sein, und als die Predigt anfing einen integrirenden Theil desselben zu bilden; von dem Augenblick an, als Geburt, Eintritt in das jugendliche Alter, Schließung des Ehebündnisses und Bestattung der Tobten, als weihevolle Acte sich darstellten, und die Schrift — 15