Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 220)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-3183021--6886-3183909- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
! — . 185 — ansehnlichen Anzahl in Mähren ansässig, daß Ottokar II. über ihre Rechte und Verhältnisse ein eigenes Edikt erließ. Dieses Edikt enthält verschiedene Bestimmungen zum Schutze des Leibes, der Ehte und des Vermögens. Es geht daraus hervor, daß die Juden auch hier zumeist Leihgeschäfte trieben, und eigene Häuser und Besitzungen hatten. Sie hatten bereits ihre eigenen Synagogen (soolas Schulen) und Friedhöfe und standen unter unmittelbarer Jurisdiktion des Königs oder des Herzogs. Die Juden wohnten damals zumeist in Brünn, Hradisch und wahrscheinlich überhaupt in den größeren Städten des Landes. Die alten Brünner Rechtssprüche enthielten schon einige Begünstigungen für die Juden und im Jahre 1333 trugen die Juden zur Herstellung der Mauern der Stadt BrüNn, in der sie eigene Häuser hatten, den vierten Theil der Kosten bei. Auch in Znaym war eine alte und bedeutende Gemeinde. Die, Grabsteine, die daselbst gefunden wurden, reichen bis zum Jahre 1334 und in einer Urkunde aus demselben Jahre wird der Jude Be-' nesch daselbst als ein angesehener Mann bezeichnet. Diese Stadt weist in späterer Zeit auch zwei bedeutende Rabbiner auf: A. Möschel, Lehrer des berühmten R. Schalom von Neustadt (1360) und R. Meir, der etwa im Jahre 1440 blühte. Die fromme Glaubenswuth, deren Seele die Selbstsucht ist, fand auch bald in Mähren empfängliche Gemüther; ein Funke genügte, um Böhmen, Mähren und Oesterreich zu einem Brandaltare des Fanatismus zu machen.