Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 183)
- Language
- German
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— 148 - Kreßel wartete auf das Kindsie wartete darauf mit Sehnsucht; vielleicht hegte sie sogar eine gewisse Hoffnung, deren Erfüllung von der Geburt eines Kindes abhängig war. So scheint es wenigstens; denn was hätte es sonst für einen Sinn haben sollen, was sie einmal zw ihrem Sohne Iossef sprach: Mrst Du sehen. Iossef — so sprach sie einstmals — ich werd' doch noch Recht behalten. Laß sie nur erst niederkommen und ein Kind zur Welt bringen. Mit den ersten Windeln, die sie in die Hand nehmen wird, fliegen alle diese Narreschkeiten und eitlen Sachen auf und davon. Es wird ihr dann gut aufliegen, ob sie das eigene Haar tragt, oder nicht. So lang ein Weib kein Kind hat, ist sie auch noch kein Weib, ist sie noch immer, wie ein ledig Mädel. Mutter muß sie sein, dann wird sie erst ein Weib; das Kind muß in der Wieg' schreien, dann erst fängt ein Weib an ernste Gedanken zu kriegen. Ich geb' Dir mein' Hand darauf, es wird ihr dann genöthiger sein, das Kind zu wiegen, als wie sich aufzuputzen und die eigene Haar zu frisiren. - Dieser Gedankengang war nur insoweit unrichtige als ihm die Grundlage fehlte , da Rosa's Beweggrund für das Tragen der eigenen Haare ein ganz anderer war, als ihre Eitelkeit. Da die Schwiegermutter aber keinen andern Beweggrund erblickte, so war sie in ihrer Folgerung auch ganz berechtigt; deßhalb sah sie der Geburt eines Kindes mit großer Ungeduld entgegen. Nachdem aber mehrere Jahre verstrichen waren, und Rosa noch immer sich nicht Mutter fühlte, dann begann