Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 175)
- Language
- German
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140 sein sonst so gefügiges Weib unbeugsam fand, wie einen harten Felsen., So ging er zwischen Mutter und Gattin hin und her ohne eigene Willenskraft,- ohne Muth im Herzen, jedesmal ans der Seite -stehend,- von der er eben beeinflußt wurde. Doch nicht er allein stand zwischen den beiden Frauen in der Mitte; ihm zur Seite stand sein holdes Schwesterchen, nur mit dem Unterschiede, daß Blümele nicht wie er Hin und her schwankte, sondern sich gänzlich auf die Seite ihrer Schwägerin stellte. Von allem Anfang an hatte sich das Kind zu der -Braut des Bruders hingezogen gefühlt. Durch den Kampf, der im Hause geräuschlos aber unermüdlich fortgekämpft -wurde, erstarkte die Neigung des Kindes nur immer mehr und mehr. Ihr reines, unverfälschtes Gefühl zog Blümele auf die Seite der Angegriffenen, der Duldenden. Sie hätte aber älter sein müssen als sie war, um den häuslichen Zwist schlichten zu können, sie hätte kein Kind mehr sein dürfen, um für ihre Schwägerin offen Partei zu nehmen und sich für sie in die Schanze zu schlagen. Blümele war aber jetzt'kaum dreizehn Jahre alt, und obwohl sie an geistiger Begabung nicht nur Mädchen ihres Alters, sondern auch ältere Mädchen überragte, so wurde sie doch immer noch als Kind betrachtet, als ein Kind, das in derlei Dingen, die nur Erwachsene verstehen, nicht mitzureden habe. Einmal chatte die Mutter auf ihre Meinung gehöriges war am Hochzeitstage des Sohnes; die Mutter bereute es < oft genug und warf es ihr nicht selten vor.