Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 164)
- Language
- German
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129 nahm man Abends den Milch-Kaffee nicht vor sechs Uhr; die alte Frau hielt streng auf die sechs Stunden, welche nach der rabbinischen Vorschrift zwischen dem Genuß von Fleisch und Milch verstrichen sein müssen. Rosa wollte ihrer Gewohnheit gemäß auch hier den Kaffee um vier Uhr nehmen. Die Mutter hatte hierüber kränkende Stichelreden für den Sohn zur Genüge in Bereitschaft. Ein Wort von Joffes genügte, daß Rosa die hier herrschende Hausordnung auch zu der ihrigen machte. Joffes berichtete es seiner Mutter und hoffte auf ein Wort der Anerkennung. Vergebens! Laß sie essen, wann sie will — sagte die Mutter — um sechse trinkt sie erst den Kaffee? um eine Welt ist mir leichter! Was soll sie gar schon um Viere Milchiges essen? Die eigenen Haar! die eigenen Haar hat sie aus dem Kopf, ein verheiratet Weib. An dem Vorabend des Neumondes, Rosa saß gerade mit einer häuslichen Arbeit beschäftigt, da trat der Gemeindediener in ihre Stube und stellte einen Korb auf den Tisch. Aus dem Korbe nahm er einige aus Seiden- und Kattunflecken bänderartig zusammengenähte Windeln („Mappes") und überreichte sie der jungen Frau. Rosa blickte den Mann verwundert an, sie wußte nicht, was das seltsame Geschenk zu bedeuten habe. Sie erschrak darüber, denn sie meinte, es stecke irgend eine Ironie dahinter, deren Sinn sie nicht verstehe. Ich werd' die „Mappes" später wieder abholen — sagte der Gemeindediener, nahm seinen Korb und ent- 9