Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 161)
- Language
- German
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oder ein Kampf zwischen Mann und Weib geworden, und die- Seite, auf welcher er gestanden wäre, hätte vermuthlich nach einigem Kampfe die Oberhand gewonnen. So war es aber nicht. Jossef war schwach, ihm fehlte jeder Muth» eine Meinung frei und offen zu vertreten und jede Kraft, den Kampf auf der einen oder andern Seite aufzunehmen. Er hätte gerne das Hühnchen geschlachtet, ohne ihm wehe zu thun. So stand er ein schwacher Mann zwischen zwei willenskräftigen Naturen in der Mitte und wurde wie ein Spielball von Kindern fortwährend hin und her geworfen. War er bei seinem Weibe und blickte er in das seelenvolle Auge, aus. dem ihm ein ganzer Himmel entgegenstrahlte, in einem solchen Augenblicke existirte freilich auf dieser ganzen Erde für ihn nichts als sie, die Theure, die sein ganzes Lebensglück ausmachte; dann mochte er allerdings im Stillen auch den Vorsatz fassen, mit der Mutter endlich einmal ein ernstes Wörtlein zu reden; aber es ist bei schwachen Naturen ein Anderes, Vorsätze fassen und ein Anderes, Vorsätze ausführen; er brauchte seine Mutter nur anzuschauen, so ward er von ihrem strengen, durchbohrenden Blicke bald so eingeschüchtert, daß er, weit entfernt, sein Weib der Mutter gegenüber im Schutz zu nehmen, vielmehr froh war, wenn sie ihn nicht mit Vorwürfen überhäufte. Wie es allen schwachen Naturen geht, so ging es auch ihm; er kam immer zwischen zwei Stühlen in die Mitte. Was er vermöge seiner Natur thun konnte, das that er freilich; er suchte in Güte zu vermitteln. Aber was sollte das auch verfangen?