Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 160)
- Language
- German
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■ ( ' ' — 125 — I nachsahwo eS sich um religiöse Dinge' handelte, auf der andern Seite ein junges, liebenswürdiges, sanftes aber auch energievolles und widerstandskräftiges Weib, das sich keines Unrechts bewußt war. Er selbst, ein guter Sohn und zärtlicher Gatte, der beste Mensch von der Welt» aber schwachherzig und nicht dazu geschaffen Conflikte zu lösen; aber-gerade die Rolle des. Vermittlers zwischen Schwiegermutter und Schnur fiel ihm als Sohn und Gatten ganz naturgemäß zu. Er befand sich in einer keineswegs günstigen Lage. Sein Weib liebte er mit der vollen Gluth eines jugendlichen Herzens, seiner Mutter war er stets ein folgsamer Sohn gewesen. Auf der einen Seite zog ihn die Gewalt der Liebe hin zu dem schönen.Weibe, dessen Anblick ihm das Herz in der Brust mächtig pochen machte; auf der andern Seite mußte er nach seiner ganzen Erziehung und gemäß den bisher für unantastbar gehaltenen Gewohnheiten die Forderung , der Mutter als eine durchaus berechtigte anerkennen. Wäre Jpssef ein Mann , von Energie gewesen, hätte er die Willenskraft seiner Mutter oder seines Weibes besessen, dann—: ja dann hätte er sich männlich besonnen und einen männlichen Entschluß gefaßt; auf die eine oder andere Seite hätte er sich geschlagen. Wohin er sich geneigt haben würde, ob die Liebe über seine angelernten Gewohnheiten den Sieg davon getragen hätte, oder ob die in seine früheste Kindheit zurückroicheuden Wurzeln seiner Empfindungsweise stark genug gewesen' wären, selbst über die Liebe zu triumphiren; in jedem dieser beiden Fälle hätte sich die Sache entschiedener gestaltet, es wäre entweder ein Kampf zwischen Mütter und Sohn