Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 158)
- Language
- German
- Belongs to
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123 — nicht abschneiden, um meinen Willen durchzüsetzen; dann sagen sie wieder, ich möcht' mir' schon gerne abschneiden lassen, aber ich thu's nicht aus Scham; ich bestehe nur weiter auf meinen Willen , weil ich es bis jetzt verweigert habe, ich schäme mich umzukehren. Wie sehr irren sie sich! Eigensinnig! ich eigensinnig! Wann in meinem ganzen Leben bin ich eigensinnig gewesen? Wird man denn eigensinnig über Nacht? man hätte daheim bei uns doch auch etwas davon spüren müssen! Und bin ich es vielleicht hier? geb ich nicht in Allem nach? thu' ich nicht Alles, was man von mir verlangt? Spreiz' ich mich vielleicht auf meine Jugendgewohnheiten, mit denen ich aufgewachsen bin? Und weün mir hier etwas fremdartig erscheint, füg ich mich nicht darein? und füg ich mich nicht gern und willig? sehe ich vielleicht gar ein Opfer darin, oder wenn ich ein Opfer darin sehen möchte, lass' ich es vielleicht auf irgend eine Art merken? Wenn ich eigensinnig war', warum wär ich es just bei dem Haarabschneiden? Mußte es sich nicht auch in andern Sachen zeigen? Und die Scham! schämen sollte ich mich nachzu-. geben, wenn ich einsehen möcht', daß ich Unrecht handle? Schämen sollt' ich mich einzugestehen, daß ich gefehlt habe, wenn ich den Fehler, klar erkenne? Ich sollte aus Scham den Fehler nicht verbessern und das Unrecht nicht gut machen wollen? Nein! eine so unedle Natur bin ich wahrlich nicht! Wäre ich das, wofür sie mich halten, ich Hätte längst gethan, was sie von mir verlangen. In mein Herz hinein'sieht keiner von ihnen-- doch ein Kind ist es; diesem Kind-chat Gott einen merkwürdigen Verstand