Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 157)
- Language
- German
- Belongs to
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— 122 — ganz gut. Alle, die mir jetzt aus dem Wege gehen, möchten sich eine Ehre daraus machen, zu mir zu kommen und wären froh, wenn ich nur zwei Wörter mit ihnen sprechen möcht'. Und erst hier im Hause selbst, was soll ich von den Leuten in der Gasse reden, hier im Haus könnt' ich ja den Himmel auf der Erd' haben, die Schwiegermutter möcht' ja gär nicht wissen, wie sie mit mir reden soll, sie möcht' ja mit mir umgehn, wie Mit einem Seidentüchele, sie möcht' mich wollen auf ihren Händen herumträgen, und mein Mann, er möcht sich vor Freudig- feit ja gar nicht zu fassen wissen, er wär ja der, glücklichste Mensch von der Welt! Weiß ich denn das Alles nicht ganz gut, Hab' ich eines vielleichtnochzu wenig überlegt; aber was nutzt es? ich kann es doch nicht thun, ich nicht und ich kann nicht und da mögen sie Alle reden und thun, was sie wollen. Ich weiß, was sie sagen; sie sagen, es ist von mir nichts als Eitelkeit; sie sagen, ich bild' mir viele Stücke ein auf meine rothen Haar'. Gott weiß, daß es anders ist. Eitelkeit! was brauch' ich heut noch eitel zu sein? Ich bin es als lediges Mädchen nicht gewesen, soll ich es jetzt sein als verheirathet Weib! Was will ich denn? will ich etwa noch anderen Männern gefallen? Geh' ich etwa auf Eroberungen aus? Gott kennt mein Herz. Und meinem Mann? — nun ich weiß, daß ich ihm mit fremdem Haar noch besser gefallen möcht', als mit dem eigenen. Warum sollt' ich eitel sein? Sie machen mir auch den Vorwurf, ich bin eigensinnig — ich weiß es, sie sagen, ich laß mir das Haar