Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 153)
- Language
- German
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- 118 - blicken? Bin ich denn etwas der Prophet EliäS? von Wannen hätt' ich wissen sollen, daß sie wird ihre eigene Haar tragen? wenn mir Einer das vorausgesagt hält', daß mein' Schnur, daß mein' Jossefs Weib das eigene Haar tragen wird, ich hätt' ihm ins Gesicht gespieen, und jetzt — jetzt muß ich leider Gottes froh sein, wenn die Leut' in der „Gaff" nur mir selber nicht in's Gesicht speien. Mit Fingern deutet man ohnedieß auf mich. Ja, ja, was einem Menschen Alles zukommen kann! Man erlebt viel, eher als man siebzig Jahr' alt 'wird. Nicht erleben hätt' ich sollen, sie kennen zu lernen." So war die gute Frau gezwungen zum Hasse, wo sie so gerne geliebt hätte, derart war ihr Gemüthszustand beschaffen und mit solchen Gedanken und solcher Rede erleichterte sie ihr tief beklemmtes Herz. Dieser Schwiegermutter gegenüber steht aus der andern Seite Rosa in einer ihr fremden Umgebung mit ihren hierher nicht passenden Anschauungen und Gewohnheiten. Rosa war im älterlichen Hause freisinnig dabei aber doch fromm im Glauben der Väter erzogen worden, lieber manche Dinge freilich, die hier im Hause der Schwiegermutter mit großer Wichtigkeit behandelt wurden, hatte man sich daheim bei ihrem Vater — (die Mutter hatte sie frühzeitig verloren) hinweggesetzt, aber im ganzen wurde echt jüdisch Haus geführt. Rosa wußte wohl, daß man am „Pessach" kein Brod essen dürfe, daß man am Versöhnungstage fasten müsse, daß man des Sabbaths kein Licht anzünden dürfe, denn sie war an diese. Dinge von Jugend auf gewöhnt worden, sie konnte aber nicht begrei-