Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-3183021--6740-3183763- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
39 Der kaiserliche Commissär Graf Josef Brigido erhielt hierauf den Auftrag, den Zuständen der Juden in Galizien besondere Aufmerksamkeit zu schenken und einen Bericht zu erstatten, in welcher Weise diese geregelt werden könnten. Bevor wir nun zu dem Berichte des Grafen Brigido übergehen, wollen wir mit wenigen Worten den Geist, der in der Josefinischen Zeit bezüglich der Juden herrschte, charakterisiren. Bis zu den Zeiten Josefs II. betrachtete man die Juden als die Hühner, welche goldene Eier legen. Sie zahlten Steuer, sehr viel Steuer, sie machten Darlehen^ rc. Jnsoferne duldete man sie. Sonst hielt man sie für schädlich, was zum Theil in dem engen nationalökonomischen Gesichtskreis jener Zeit seinen Grund Hat, zum Theil aber auch in dem Religionshaß überhaupt. Man meinte nämlich, die Juden seien blos der consumirende und nicht der produzirende Theil, sie nähren sich vom Schweiße der Christen rc., andererseits wieder beschuldigte man sie, daß sie die Lebensmittel vertheuern, denn ohne sie würde die Concurrenz nicht groß sein rc. Daher kam es, daß, sobald sich Jemand vorfand, der sich erbot, die Judensteuer zu erlegen oder Ersatz dafür zu bieten, wie in Salzburg der Bischof, in Krain die Stände, in Wien 1670 der Magistrat, so verstand man sich leicht darauf, die Juden zu verjagen. Die letzte Judenvertreibung, die jedoch nicht efsectiv ausgeführt wurde, war die unter der Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1744 aus Böhmen. (Vergl. unser: Die Vertreibung der