Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 73)
- Language
- German
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38 reitete der österreichischen Regierung große Schwierigkeiten, die bekanntlich bis auf den heutigen Tag, obschon fast ein ganzes Jahrhundert verstrichen ist, noch nicht überwunden sind. Was nun die Juden betrifft (sie lebten damals in 5067 Ortschaften Galiziens und bildeten 241 Gemeinden), so war es vor allem die Anzahl derselben, welche einen wahren Schrecken in gewissen Kreisen verursachte. Währenddem in sämmtlichen deutschslavischen Kronländern 69.586 Juden wohnten, waren in Galizien fast dreimal so viel 184.448. Nun hatte man freilich ein ganz einfaches Mittel, welches seit Kaiser Karl VI. in Oesterreich eingeführt war, um die Vermehrung und Fortpflanzung der Juden zu verhindern und ihre allmälige Verminderung zu bewerkstelligen; man gestattete nämlich das Heiraten nur den Erstgebornen rc. Die damalige Hofkanzlei wollte auch in dem gegebenen Falle das probate Mittel anwenden; doch Josef II. wollte in der neuerworbenen Provinz nichts von einer Beschränkung der Judenheiraten wissen; er hielt diese Einschränkung sowol vom national-ökonomischen wie vom sittlichen Standpunkt aus nicht angemessen. Er rescribirte: „Da die Heiraten sowol die Anzahl der Consumenten zum Besten der Cultur vermehren, als auch Sitten und Ordnung erhalten, so hat die antragende Einschränkung nicht statt, wohl aber müssen die sich verheiratenden Juden noch ferner zu dem bisherigen Taxerlag verhalten werden."