Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 291)
- Language
- German
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187 „Gott weiß, wo sie das Kind suchen!" rief eine Stimme nach einer Weile. „Hanne Elsaß, meinte ein Anderer, hat geschrieen, sie wirft sich in die Äser, da wo sie am tiefsten ist, wenn sie das Kind nicht vor Abend findet." „Holt sie nur!" gebot aufs Neue der Großvater, „und sagt ihnen, es wird mir vielleicht eingegeben werden, wo das Kind ist." Dann trat er vom Fenster zurück und schloß es hinter sich. Die Leute entfernten sich auf diese Worte nach allen Seiten, so manches Gemüth von eigentümlichen Schauern überzittert, daß der alte in Ehrfurcht angefchaute Rabbiner mit einer solchen Sicherheit der Zusage zu sprechen vermochte, in die ihm doch Aller Ansicht nach kein Einblick gegönnt sein konnte! Der Großvater setzte sich aber wieder an den Tisch vor den aufgeschlagenen Talmud hin, und diesmal schien er wirklich durch eifriges Studium nachholen zu wollen, was ihm der Nachmittagsschlummer unwillkürlich geraubt hatte. Aber es schien nur so; denn als seine Blicke einmal durch das Fenster schweiften, lächelte er wieder. Seine Kätzchen lagen noch immer draußen in der Kühle des abendlichen Schattens, vielleicht um abzuwarten, wie denn der Schluß des kleinen Dramas sich gestalten werde, dessen Beginn in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft vorgegangen war. Mittlerweile war mehr als eine Stunde verflossen; die Sonne stand am äußersten Rande des Himmels; tiefe Stille ringsumher! Die ganze Gasse schien auf der Suchefahrt nach dem verlorenen Knaben umher zu irren. Da verkündigte immer näher und näher dringendes Klaggeschrei, daß alles Suchen umsonst gewesen. Von der