Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 273)
- Language
- German
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169 Vrooy unvermerkt aus der Tasche und bleibt in einem Winkel Jahre lang vergessen liegen. Mittlerweile war Bescht gestorben, sein reicher Gastfreund halte allmälig sein Vermögen verloren, und mußte dreißig Jahre später zum Bettelstäbe greifen. Er durchsuchte^ noch einmal alle seine Schränke und Kästen, fand den vergessenen Brief Beschiss an die Brodyer Vorsteher und steckte ihn zu sich. Von Ort zu Orte bettelnd, schlug er sich durch ganz Rußland, kam nach Brody, um Bescht's Auftrag zu erfüllen. „Leben Eure Vorsteher A. B. und 6. v. noch?" fragte er dort einen Greis. Dieser erwiederte: „Ihr träumt wohl, lieber Mann. A. B. und C. D. kenne ich als sehr junge Leute, aber sie waren niemals Vorsteher in Brody." Als sie so sprachen, kam der Gemeindediener dazu und-erzählte, daß heute Gemeindewahlen vorgenommen und A♦ B. und C. D. als Vorsteher gewühlt wurden. Der Bettler übergab Bescht's Brief, darin stand geschrieben: „Ueberbringer dieses ist ein blutarmer Mann, war aber vormals reich und ist stets redlich befunden worden. Wer ihm unter die Arme greift jund ihm, aufhilft, dem werde ich es so anrechnen, als hätte er es mir gethan — Bescht." — Der Mann wurde reichlich beschenkt und kam bald wieder empor. Nicht minder groß war Bescht's Kenntniß der Vergangenheit. Ein König zog einst in eine Stadt ein und wurde mit Jubel empfangen. Alle Einwohner waren auf den Beinen, nur ein einziger frommer Mann, der sein Thorastudium nicht unterbrechen wollte, blieb in seinem Dachstübchen, lehnte sich aber, als der Zug an dem Hause, wo er wohnte vorüberkam, zum Fenster hinaus, um den König zu sehen, damit er die beim Anblicke eines gekrönten Hauptes vorgeschriebene Benediktion spreche. Aber wie er das Fenster geöffnet und sich vorgebeugt, hatte, löste ein