Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 242)
- Language
- German
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- 138 - den betrachtet: DerChassid erzählte sie, um daran zu glauben und den Glauben durch sie zu stärken, der Nationalist referirt darüber, um sie zu belächeln und seinen Spott daran zu üben, der Poet mag manche nicht unerhebliche dichterische Anregung darin finden und die Erfindungsgabe bewundern. Wir erzählen sie — um ihren Ursprung zu verstehen und auf Heilmittel zu sinnen. Woher kommt diese Neigung zur Sinnbilderei in die Mitte der Juden? Dieses Streben, sich eine Stellvertretung Gottes zu schaffen, sich über die Natur und die nüchternen Volksanschauungen hinaus zu forciren? Woher diese Wundersüchtigkeit, dieser Hang zum mystischen Dunkel, dieser Trieb im Nebel seinen Weg zu suchen? Hier liegt offenbar ein berechtigtes Bedürfniß zu Grunde, dem man nur durch unrichtige Mittel begegnet. Worin wurzelt dieses Bedürfniß? Wie ist es geworden? Darüber soll das nächste Kapitel Aufschluß geben, das freilich nicht so ergötzlich zu lesen sein mag, als die Episoden aus „tausend und einer Nacht" die uns sonst die Chassidäische Literatur bietet, aber das uns denn doch mehr am Herzen liegt, als die besessenen Weiber und falschen „Waikilaks" und die Geheimschriften Abrahams im verzauberten Stein oder die homöopatische Heilmethode des Rabbi Adam. Zur Bequemlichkeit der Leser haben wir diese nothwendigen Reflexionen in dem folgenden Kapitel untergebracht, welches er, wenn er durchaus nicht anders will, überschlagen mag. Bescht's geistige Geburtsstätte. Die meisten Erscheinungen auf geistigem und moralischem Gebiete sind Kinder ihrer Gegensätze, Reaktionen gegen ein zum Extrem gediehenes Prinzip. Der Geiz schlägt in Verschwendung um und der Atheismus in Aberglauben.