Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 239)
- Language
- German
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135 — erfüllt war und sehr lief zu sein schien. Die Räuber überbrückten die Pfütze mit einem schmalen Brette, gingen voran und erwarteten, daß Bescht ihnen folgen werde. Aber Bescht's geistiges Auge, das mehr sah, als ein leibliches es vermag, erkannte die blitzenden Schwerter, die um den Sumpf züngelnd flammten, und erkannte daran, daß hier die Gränze dieser unterirdischen Wallfahrt sei. Die Räuber gingen kläglich unter, Bescht kehrte um. Da hüpft ihm aus dem Sumpfe ein mächtiger Frosch von der Größe eines Stieres entgegen und quackt so flehentlich zum Wundermanne empor. Bescht, dem nichts mehr groß oder klein dünkte, der sich schon daran gewöhnt hatte, in allen Dingen der Welt den Geist zu sehen, fragte furchtlos: „Frosch! wer bist Du?" „Ich bin ein Talmudist, dessen Seele seit 500 Jahren verdammt ist in diesem Frosche zu leben und von Sumpfwasser sich zu nähren." Nach der Lehre von der Seelenwanderung hat die Reise einer Talmudistenseele in einen Frosch nichts Ungewöhnliches an sich, denn: „Der Hochmülhige fahrt in einen Pfau, „Der Filzige kommt in eine Sau „Der Lüsterne wird zu einem Hahn „Der Zierbengel zu einem Schwan' „Zur Wipper wird das Lästermaul „Der Sklavenfinn zum Ackergaul." Dergleichen Umwälzungen kannte der Bescht von jeher, und daß der Talmudist zum Frosche wurde, wundert ihn weniger, als daß der Sumpf, in dem er zu leben verdammt war, noch nicht ganz ausgetrocknet war und Wasser enthielt. Da begann der Bescht und sprach: „Du bist ein Talmudist." Dieß Wort aber genügte, daß als Frosches Kern ein Rabbiner hervorsprang mit flatternden Locken, und spitzigen Bart, der also erzählte: „Meine Sünde bestand darin, daß