Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1867-01-01 · Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867) · p. Seite 133

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 133 (sequence 237)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2609281-3183019--6590-3183612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

133 werk zu ihm, um sich Lehm für Ziegelbrennereien ausgraben zu lassen. Bescht ergriff die Schaufel, belud den Wagen mit dem nöthigen Erdreiche, von dessen Erlöse die Frau sich kümmerlich ernährte, während der übermenschliche Gatte zwischen Klüften einsam wandelte, ohne zu merken, daß er durch immerwährende Vergeistigung und Verinnerlichung schon weit über die Natur und ihre Gesetze hinausgewachsen war. Allein er sollte bald die Veränderung inne werden, die sich mit ihm zugetragen hat, und eine Räuberbande, die sich in den Höhlen des Gesteines verborgen hielt, mußte, die Erste sein, die Bescht's höhere Mission erkannte. Bescht ging nämlich immer denkend und betend dahin, des Weges nicht achtend, den fein leiblicher Fuß durchmaß. So wandelte er über Berg und Bergeskamm, schritt durch Giesbach und Gerölle, und kam an den Rand eines Abgrundes zwischen zwei hohen Felsen. Die Räuber, die von ihrem Verstecke aus, den sonderbaren Mann beobachteten, erwarteten nichts anderes, als daß der Tiefsinnige, der an keine Rückkehr dachte, in die Schlucht hinabstürzen werde, deren Boden nur sein zerschmetterter Leichnam erreichen könne. Aber siehe da, kaum hatte Bescht einen Schritt vorwärts gemacht, als die gegenüberstehende Felswand in aller Dienstfertigkeit herbeieilte, sich fest an den dießseitigen Berg schließend und so den Abgrund verschwinden machte. Bescht merkte nichts davon, beschritt den 2. Felsen, der ihn rasch von dannen trug, und wieder gähnte die Kluft zwischen beiden Höhen schwarz und drohend wie zuvor. Bescht aber meinte gewiß, daß er noch auf derselben Ebene wandele und'hatte keine Ahnung von dem Wunder unter seicken Füßen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.