Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 235)
- Language
- German
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131 Hier vermiethete sich Bescht als Erzieher und Jugendlehrer, feierte glänzende Triumphe seiner Gelehrsamkeit und ward bald als vortrefflicher Schiedsrichter weit und breit bekannt. Eine lange Zeit hindurch lebte Bescht hier ein ganz gewöhnliches Leben der Talmudgelehrten und Hausrabbiner, bis einst Abraham Kuteber, Vater des damaligen Brodyer Oberrabbiners auf ihn aufmerksam ward, und ihm die Hand seiner Tochter zur Ehegemahlin anbot. Bescht sagte zu, stellte aber die Bedingung, daß ihm in der vorläufigen Verlobungsurkunde gar keine Titulatur beigelegt, seiner Gelehrsamkeit mit keiner Silbe erwähnt werde; „denn, sagte er, „ich Israel Sohn Eliesers heirate Eure Tochter, nicht' der Talmudist und Gelehrte in mir." Abraham Kuteber gab ihm die Grille nach, und da dieser bald darauf verschied, so mußte sein Sohn, der Brodyer Öberrabbiner die Verlobung mit dem ganz unbekannten Israel ben Elieser gellen lassen, er mochte wollen oder nicht. Die Tochter willigte drein, -den Wunsch ihres verstorbenen Vaters zu erfüllen, ohne daß Braut und Bruder, ihren Bräutigam und respektive Schwager jemals früher gesehen hätten. Bescht aber gefiel sich wieder in der Rolle eines Blödsinnigen, die er so meisterhaft spielte, schaffte sich einen kurz abgeschnittenen Pelz und einen schmalen Gürtel an, um sein Jdiotenthum zu signalisiren, kam nach Brody und verlangte unter Vorweisung der Verlobungsurkunde den Vollzug der Trauung. Gerson Kuteber, der stattliche Oberrabbiner von Brody, war nicht wenig entsetzt, als er vernahm, daß dieser scheinbar zur Hefe des Volkes gehörende Bettler sein Schwager werden sollte. Indessen konnte Rahbi Gerson die Heirat umsoweniger rückgängig machen, als seine Schwester keinen Anstand nahm, des Vaters Wort einzulösen> rend die Hochzeit ward gefeiert. 9'