Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 225)
- Language
- German
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121 starb, und der neue Generalissimus wurde in alle Würden des Vicekönigs eingesetzt, und durch Kabinetsordre angewiesen, die Tochter seines Vorgängers zu heiraten. Nun hatte Elieser alle Kniffe anzuwenden, damit er passende Vorwände ersinne, sich den ehelichen Pflichten im engern Sinne zu entziehen. Die junge Vicekönigin war zu wohl erzogen, um gleich anfänglich dem Herrn Gemal vorzustellen, daß man mit bloßer Resignation keine Leibeserben erziele, bis endlich die verletzte Eitelkeit über die Macht des Schamgefühles siegte, und die junge Frau sich vornahm, ihrem Manne den Segen der Häuslichkeit denn doch einmal an's Herz zu legen. Sie machte sorgfältig Toilette, fragte dem Spiegel ganz entschieden sein Urtheil ab, und als sie allen Grund hatte, dieses Urtheil für ein günstiges anzunehmen, schritt sie unangemeldet in das Kabinet des Vicekönigs, fest entschlossen in einer Gardinenpredigt zu debütiren. Nun war guter Rath theuer. „Bin ich dir nicht schön genug?" fragte die hohe Frau. Elieser stammelte einige Worte, die wie Komplimente klangen. „Nun, und doch?" — inquirirte die Frau weiter. Elieser war zartfühlend genug, diesen eliptischen Satz auch ohne Kommentar augenblicklich zu verstehen, und enthüllte nun sein Geheimniß, daß er Jude sei. Das Wort Ju d e mochte einen eigenthümlichen Eindruck auf die Exzellenzsrau gemacht Haben, denn noch an demselben Tage durfte Elieser abreisen — und weg waren König und Kriegsplan, Kriegs- und Staats - Ministerium, der Admiralshut und die junge Frau. Für all die Herrlichkeiten hatte Elieser nichts mehr als einige Truhen voll Gold und einPortefeuille, das aber nichts anderes als Banknoten enthielt. Da hätten wir das deutsche Märlein vom „Hans im Glücke" mit einiger Modifikation. Hans hatte für einen Klumpen Gold sich ein Roß erhandelt, das