Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 128)
- Language
- German
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24 Von den gewählten und bereits erwähnten Geschwornen (Vorstehern) beider SLnagogen gerichtet werden sollen. *) Schließlich baten sie um Folgendes: Den Juden stand das Recht zu, auf Kleider Geld zu leihen , jedoch dursten ste die Pfänder nicht verkaufen. Die Folge dieser Maßregel war, daß öfters Leute Kleider verpfändeten und ste nicht auslösten; sie wurden von Schaben zerfreßen und gingen zu Grunde. Die Juden büßten in solcher Weise nicht nur die laufenden Interessen, sondern auch das Capital ein. Sie baten daher, daß es ihnen wie den Juden in Prag gestattet werde, Pfänder, die ste Jahr und Tag besitzen, verkaufen zu dürfen. Noch wollen wir hervorheben, daß in dieser Bittschrift bei Gelegenheit des Begräbnißplatzes auch des Häuschens bei dem Gottesacker gedacht wird, welches in jenem Jahre, 1601, „zweimal durch die Kriegsleute abgebrochen und niedergerissen würde." Dieses Häuschen war der Anfang zu dem jüdischen Spitale, welches bis auf den heutigen Tag den Kranken zum Heile und der Wiener Gemeinde zum Ruhme dient. (Das Nähere darüber in unserem: das hundertjährige Jubileum der israel. Cultusgemeinde in Wien p. 13 rc.) .*) Gigenthümlich genug nehmen hier die Vorsteher der Sinagogen das Recht für sich in Anspruch, Proteste zu entscheiden, des Rabbiners wird nicht gedacht. Zu jener Zeit war Abraham Flesch Rabbiner in Wien (vergl. über diesen: Steinschneider, Catal. Bodl. p. 1128, LandShuth, Onomasticon p. 10 und Zunz Literatur-Geschichte der sinagogalen Poesie p. 442). — Sollte man zu jener Zeit schon die „Hierarchie" gefürchtet haben?—Wie wir glauben, ist der genannte Abraham Flesch identisch mit R. Abraham von Austerlitz (s. unsere: Juden in der Leopoldstadt, Beilage I), und in der That gibt es noch jetzt in Mähren jüdische Familien, die den Namen Flesch haben.