Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite XXXVI (sequence 68)
- Language
- German
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XXXVI jüdischen Gemeinde fällt zuletzt als Opfer des StrebenS nach Autonomie des Vorstandes. Dazu kommt, daß es irrthümlich ist, einen Vorsteher moderner Zeit mit den Parnüssim alten "Schlages zu verwechseln. Diese waren in der Regel schriftgelehrt und gute Theologen, die es nöthigen Falles mit dem angestellten Rabbiner auch auf dem Gebiete der Kultuswissenschaft aufnehmen konnten. Heutzutage aber ist der Rabbiner oft der einzige in einer Gemeinde, der es gründlich weiß, wie wenig ein Vorstand von dem Rituswesen verstehet, und besäßen die Vorsteher nicht hinreichend viel Disrespekt einem besoldeten Beamten gegenüber, so müßten-sie vor einem Rabbiner, der seine Studien gemacht hat, einen übermäßigen Respekt haben. Dieser Widerspruch zwischen Amtsgewalt und persönlicher Kapazität der Repräsentanten regt aber wieder viel Hader auf, und ist ein wesentliches Hinderniß zur gedeihlichen Orgänisirung alt - neuer Gemeinden. Ein zweites Moment, welches den Geist der Gemeinden in neuerer Zeit charakterifirt und welcher, wenn er realisirt würde, in der That geeignet wäre, manchem Streite ein Ende zu machen, ist das Streben nach Oeffentlichkeit der Vorstandssitzungen und Geldgebarungen. Leider haben die wenigsten Großgemeinden einen richtigen Begriff von der Nothwendigkeit dieser Institution und sind -außer Pest und Prag fast alle anderen größer» jüdischen Kommunen, die sich nach dem Muster der Residenz gebildet haben , weit hinter dieser Forderung der Zeit zurück. Was die Gemeinde Wien betrifft, so hat der Vorstand dem drängenden Selbstbewußtsein der Gcmeindeglieder so weit nachgegeben, daß'er seit drei Jahren eine Art