Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite XXX (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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XXX daß die deutsche Nation den Forderungen der Kultur ihr Ohr nicht verschließt. Im Gemeinderathe der Stadt Wien wurde die Errichtung eines Pädagogiums beschlossen und ausdrücklich hervorgehoben, daß demselben kein exklusivconfessioneller Charakter aufgedrückt werden dürfe. Die Wiener Handelskammer ernannte einen Israeliten, Herrn Winterstein, mit Stimmeneinheit zu ihrem Präsidenten, und erst in jüngster Zeit gaben das hohe Kriegsministerium durch die Jnstallirung jüdischer Feldprediger den Beweis, daß es den höchsten Behörden mit dem Prinzipe der Gleichberechtigung Ernst sei. Inzwischen ist der unselige Krieg ausgebrochen, der alle innere politische Debatte lahm legte, ihm ging eine schauerliche Selbstmordmanie voraus, von der leider auch viele Juden befallen wurden, und in dem gegenwärtigen Momente suchen wir viele Häupter unserer Lieben in Todtenlisten, unter den Verwundeten in den Militärspitälern, unter den durch Krieg und Geschäftsstockungen Verunglückten— die Legislation schweigt, der Donner der Geschütze holt Athmen, um vielleicht zu neuem Erbrausen die Kraft zu holen. Es sind die Tage der Waffenruhe , da wir diese Zeilen niederschreiben, und gerne wenden wir von der politischen Geschichte uns ab, um über die innern Kulturentwickelungen unter den Juden Revue zu halten. In der innern Geschichte der österreichischen Juden treten uns in jüngster Zeit drei Erscheinungen entgegen, die unsere Aufmerksamkeit im hohen Grade verdienen :