Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 341)
- Language
- German
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„Ist das Kopfstück Fisch nichts?" sagte er mit scherzhaftem Ernst. „Hast Du mich damit nicht geehrt, als Du noch gar nicht gewußt hast, wer und was ich bin? Sieh' an,, Deborah, das will ich Dir all' mein Leben nicht vergessen, ich habe daraus ersehen, daß Du die Rechte bist, wie sie mir -gebührt. Du wirst mich immer ehren und wirst das Weib sein, von dem geschrieben steht: Es vertrauet auf sie das Herz ihres Mannes, und sein Erwerb nimmt nicht ab." — Was weiter vorging? An einem der nächsten Tage traf zu Aller Verwunderung der junge Rabbiner ein, diesmal nicht zu „Fuß" sondern im Wagen, worauf auch fein sonstiges Gepäcke in zwei großen Truhen lag. Man erkannte inihm den fremden „Gast" und nicht geringe war das Kopfschütteln in der Gemeinde über die sonderbare Weise, in der sich der künftige Lehrer und Seelsorger eingeführt hatte. Daß dieser Umstand jedoch keine üblen Nachfolgen für ihn chatte, beweist die Thatsache, daß er fünf und fünfzig Jahre in dieser Gemeinde blieb und daselbst auch sein Grab fand. Wenn wir am Freitag Abend um den großväterlichen Tisch geschaart saßen, und nach der Suppe, wie gewöhnlich bie Fische aufgetragen wurden, in jener eigenthümlich mundenden Tunke schwimmend, deren Geheimniß nur die gute Mutter kannte, ries der Großvater, indem er sich das .„Kopfstück" auf den Teller schob: „Kinder, habt Respect! Da liegt vor mir die Mitgift meiner Frau!" Und die neben ihm saß, eine schöne alte Frau in goldener Haube, lächelte so geschämig! . . . So hat man geheiratet!