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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1866-01-01 · Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866) · p. Seite 253

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 253 (sequence 323)
Language
German
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253 meiner Mutter aus einem seit dreißig Jahren geschlossenen Grabe wieder heraufzubeschwören. Wie Sonnenlicht spielt es um mich; dazwischen gemahnt es mich, als ginge ich mitten im Schreiben wie im Frühlinge durch eine blühende Kirschbaumallee; ein leises Lüftchen erhebt sich, und nun tanzen und wehen die weißrothen Blüthen vor mir her, daß ich schier glaube, es gebe in der Welt nichts Schöneres und aller Gram und alle Erinnerung seien damit, um sich ja nicht kenntlich zu machen, überschneit. Dabei bleibts auch! Recht lustig, wie dieses Geschichtchen selbst, soll die Stimmung sein, die mich im Weitererzählen begleite, und wenn dann schließlich dem Leser selbst — eine jener kleinen Kirschbaumblüthen ins Gemüth fällt und daselbst für einige Zeit haften bleibt, so betrachte ich das als den schönsten Dank, den ich ernten kann. Einen andern begehre ich nicht. Wie man heiratete! Der freundliche Leser ersieht schon, daß hier von einer vergangenen, ja von einer längst vergangenen Zeit die Rede ist. Denn als mein Großvater seine Augen zum ewigen Schlafe schloß, zählte er nicht weniger als acht und achtzig Lebensjahre; seit er draußen auf dem „guten Orte," ruht, sind dreißig Jahre vergangen. Zählt man diese Zeiten zusammen, so geht man gar nicht irre, wenn man an die Negierungsperiode der großen Kaiserin Maria Theresia, so etwa einige Jahre nach dem Hubertsburger Frieden denkt, als es meinem Großvater in einer Freitagsnacht beikam., aus seinem ledigen Stande herauszutreten, sich ein Weib zu nehmen, und eine Familie zu begründen. Wie es dabei zuging, will ich eben erzählen. In einer kleinen Gemeinde des nördlichen Böhmens herrschte seit einigen Tagen keine geringe. Aufregung. Man erwartete den jungen Rabbiner, und M einem bestimm-

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