Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 311)
- Language
- German
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241 Hand, und mit einem Ausathmen, welches einem liefen Seufzer glich, nahm sie von allem Irdischen Abschied. Die ergebene Gesellschaftsdame und die Kammerfrau umstanden noch immer weinend das Bett und es machte keinen merklichen Eindruck, als ich ihnen das veränderte Sachverhältniß in kurzen Worten andeutete. Ich übernahm das Portefeuille, welches an meinen Namen adressirt war, traf noch einige Anordnungen und bat mir die Pferde zur Heimreise anzuspannen. Unterdessen ist es Tag geworden, der Regen hat aufgehört, die Wolken haben sich verzogen, die Sonne bricht heiter hervor/ Wie nervenstärkend wirkte auf mich jetzt das Tageslicht in der freien Natur, drinnen ein düster beleuchtetes Gemach, in welchem eine Existenz unter verwickelten Verhältnissen aus dem Leben scheidet, draußen Alles voller Leben von der hell leuchtenden Sonne erwärmt und epfrischt. Um 6 Uhr kam ich vor das Schloß des Grafen an. Da er um diese Zeit gewöhnlich auszustehen pflegte, so begab ich mich gleich in den Wartesalon. Bald darauf erschien auch der Verwalter P. in gebeugter Stellung leise die Thüre öffnend, mit einem Haufen Papiere unterm Arme und als er mich gewahr wurde, sagte er schmunzelnd: „Ich falle zu Füßen, Herr Rath schon so früh? ist etwa — was Gott behüten wolle — Se. Durchlaucht unwohl?" „O nein, mein lieber P." „Ja ich finde auch seine Durchlaucht seit der Zurückkunft wohl aussehend, haben an Umfang (er begleitet dieses mit Gesten) überhaupt zugenommen." „Ich finde das nicht." „Sie mögen wohl Recht haben. Se. Durchlaucht haben 16