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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1866-01-01 · Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866) · p. Seite 238

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 238 (sequence 308)
Language
German
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238 befaßte. Oberst G., der bei der Verproviantirung bedienstet war, verkehrte häufig mit meinem Manne. Er kam damals sehr oft mit seiner Frau, welche ihn zur Armee begleitete und ihm eben ein Töchterchen geschenkt hatte, in unser Haus. Nach einiger Zeit begab sich mein Mann nach der Moldau um die Verpflegung der dortigen russischen Spitäler, die er übernommen hatte, persönlich zu leiten. Leider steckte er sich an dem dort herrschenden Spitaltyphus an, und starb auch bald darauf. Unser ganzes Vermögen ging unter diesen Umständen in die Brüche. Kaum einige Trümmer desselben befanden sich in Händen von Nachman, der als Kompagnon meines Mannes vom Hause aus die Geschäfte besorgte. Nach bald erfolgtem Frieden rückte Oberst G. als Chef eines Reiterregiments in unser Städtchen ein. Er traf mich nach einer Niederkunft als Witwe an, in höchst zerrütteten Umständen. Er half, er that Alles mögliche, und ihm habe ich es zu verdanken, daß wir Einiges aus unserm Verluste retten konnten. Aber auch er hatte das Unglück seine junge, schöne Frau, eine geborne Engländerin, dort zu verlieren. Er vertraute einstweilen sein Töchterlein meiner Pflege an. Er kam bei dieser Gelegenheit öfters in unser Haus und so -machte es sich, daß er nach und nach eine solche Zuneigung zu mir faßte, daß er in allem Ernste um meine Hand anhielt. Sie können sich meine damalige Lage denken; er war ein schöner stattlicher Mann, mohlgebildet, von sanften einnehmenden Manieren; der Kampf dauerte nicht lange, ich sagte endlich zu. Er nahm auf ein Paar Jahre seinen Urlaub, wir gingen nach Straß bürg und dort fand unsere Vermählung in civiler Weisein aller Form statt. Er ließ mich dort unterrichten, nahm selbst an dem Unterrichte, da er sehr gebildet war, thätigen Antheil, so daß ich mich bald so ziemlich in meine veränderte Stellung finden konnte.

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