Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 280)
- Language
- German
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210 Ze mehr ihm widerfahrt von Sorge, Gram und Schmach, Es lächelt still sein Mund, sinnt er dem Heile nach: Er wird den Anblick doch der heil'gen Stadt erwerben, Das sel'ge Schicksal: in Jerusalem zu sterben! Er wandert, wandert, fort und fort, von Land zu Land, Den Blick der trauernden Geliebten zugewandt. Es stürzen Könige, es brechen ein die Throne, Und Heere ziehen aus zu blutigem Lorbeerlohne. Um neue Satzung kämpft der Völker kühner Mnth, Das, Angesicht der Welt wird umgeprägt in Gluth; Er sieht und hört es nicht, einstedelnd zieht er weiter, Die Sehnsucht all sein Glück, der Kummer sein Begleiter. Er wandert, wandert, fort und fort, von Land zu Land, AuSstreut manch' golv'neS Lied und bettelt seine Hand. Schon sind die Haare bleich des wandernden Asketen, Die Wangen tief gefurcht von Sehnsuchtsgram und Beten. Biel sind der Jahre schon zum Abgrund abgerollt; In seinem Bettlersack hat sich gemehrt das Gold. Auf feinstem Pergament vom besten Schreiber schreiben, Läßt er die Thora jetzt. Nicht mehr ist hier sein Bleiben. Vom bestell Silberschmied läßt schmieden er ein Schild, Zwölf Edelsteine drauf, der Judenstämme Bild. Und eine Krone schmückt das Haupt der Thorarolle,. Wie einst der Cherubin Lichtglanz, der Wundervolle. Er neigt das Haupt auf sie, er weint und küßt sie heiß. Er murmelt, ift'ö Gebet, Gesang zu ihrem Preis? Vor seinen Augen ist die Ferne aufgeschlossen, Er sieht Jerusalem von Morgenglanz umflossen.