Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 276)
- Language
- German
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206 Warum sollen wir es verbergen? Schönes und Hervorragendes ruht gerade im Chassidismus als schlummernder Keim, der seiner Entwickelung entgegenharrt. Wir haben Schattenbilder von ihm gegeben. Aber wo Schatten ist, ist auch Licht. Was wir in den obigen Bildern von den Lichtseiten nur andeuten konnten, wir wollen es hier gewissenhaft ganz heraussagen. Wohlthätige Herzenswärme, Fähigkeit zum thatkrüftigen Handeln, Empfänglichkeit für Schönes und Erhabenes, ein starker religiöser Fond, sie sind im Chassidismus am meisten vertreten. Daher jene fast musterhafte Opferfähigkeit, jene warme Collegialität unter den Chassidim, jene Uneigennützigkeit in ihrem gegenseitigen Verkehre. Ein förmlicher Communismus herrscht unter ihnen; ja jener Grundsatz, den ein Weiser in den Sprüchen der Väter dem Chassid in den Mund legt („Mein sei dein und dein sei dein") wird unter ihnen in Wirklichkeit ausgeübt. Endlich aber, (und wir haben dies bereits einmal gesagt) ist das reformatorische und umgestaltende Element, wenn wir so sagen dürfen, gerade unter ihnen in hohem Maße zu finden. Und wir sehen, (ohne gerade eines prophetischen Blickes zu bedürfen), wie ihnen einst noch von den mit Gottes Hilfe umgewandelten Prosteks Front gemacht wird ob ihres zu radicalen Vorgehens. Wir sehen im Geiste eine heilsame Verschmelzung des Chassidismus mit den, jetzt nur Ausnahmen bildenden, aber einst zahlreich gewordenen und durch Bildung und religiösen Charakter gefestigten Misuagdim, welche Verschmelzung ein schönes, wenn auch von Schattirungen nicht freies, aber darum desto lebhafteres Bild uns dann gibt. Denn Schattirung, oder mit andern Worten, ein gesundes Parteileben ist für ' den Gemeindeorganismus nichts weniger als schädlich. Die allvermögende, wenn auch nur stufenmäß bildende Zeit wird einst noch aus der