Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 260)
- Language
- German
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190 diese haben ihre Gränzen. Das absolut Häßliche darf nicht Gegenstand der Malerei sein. Auch die Copien der Natur dürfen nicht zu sehr ins Einzelne gehen, müssen nur die charakteristischen Züge scharf und lebendig hervorheben. Außerdem wollen wir hier hauptsächlich Aufklärung und Belehrung über die Wirklichkeit, freilich an der Hand derselben, gewinnen. Es ist nun über diesen „Nebben" und über das Verhältniß seiner Anhänger zu demselben, so viel gesprochen worden, ohne daß man dadurch über diese Erscheinung befriedigende Aufklärung gewonnen hätte, daß ich mich gezwungen sehe, mich hier ein wenig ausführlich darüber auszulassen. Wenn ich zu diesem Behufe etwas weit aushole, so geschieht es nur, um die psychologische Berechtigung dieser von den Meisten als vereinzelt dastehendes Phänomen angestaunten Erscheinung in. einem frappanten Analogon aus der neuern Geschichte nachzuweisen. Es war in der Sturm- und Drangperiode der deutschen Literatur, in der Zeit des allgemeinen Ergriffenseins, wo sich vor allem in Kunst und Dichtung eine energische Reaktion gegen alles Bestehende und Gebräuchliche, gegen alles Formelle untr Conventionelle geltend machte. Was gesund und urkräftig, was ein wirkliches „Kraftgenie" war, wie ein Klopstock, Herder u. A., arbeitete sich aus dieser hochwogenden Zeitströmung zu einem schöpferischen Genie hervor. Wer aber den Keim zum Excentrischen in sich trug, wie ein Lenz und Kling er u. A., erlag diesem Stürmen und Drängen und wurde zum Spielballe der Phantasie und Schwärmerei. . Aber diese Geistesrichtung pflanzte sich wie ein elektrischer Funke schnell weiter fort und ergriff jedes mit ihr in nahe Berührung kommende Gebiet. Zunächst mußte das ur-