Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 169)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2609281-3183017--6180-3183201- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
auch in der Judenordmmg vom 5. May 1764 verbothen und dieses Berboth Hai auch fortan so wie jenes wegen des Degentragens zu bestehen und diesfalls würde es genug gewesen seyn, die Juden nach dem Antrag der treugehorsamsten Hofkanzlei auf oberwähnte Judenordnung und die Regierung dahin anzuweisen, daß sie auf die Befolgung derselben genau halten solle. In Anbetracht der ersten distinguirten Plätze in den Schauspielen ist die Verordnung mehrmalen undeutlich und man muß es nur errathen, daß darunter das Parterre noble verstanden werden wolle; es fraget sich also, ob die Logen, dabesonders die im ersten Stocke eigentlich die distinguirtesten Plätze sind, den Juden gleichfalls verbothen sein oder nicht? Ebenso sind die4. und 5. Absätze wegen der christlichen Dienstbothen und nie ohne vorläufige Anzeige zu verschickenden Judenkinder der neuen Verordnung, bloße Wiederholung der Judenordnung, die man in dem hier wieder zur allerhöchsten Einsicht gehorsamst zurückfolgenden Hofkanzleivortrag vom 10. Oktobris allerunterthänigst vorgelegt hat, die schon alles enthält, was mitAnstand und versicherterBefolgung geboten werden kann. Die Negierung setzt noch in ihrem Berichte hinzu, daß sie den Juden auch die Tragung der Bärte wieder anbefehlen sollte; allein sie besorge, daß dadurch die ansehnlichsten Juden zu sehr niedergeschlagen, dem Spotte des Volkes zu viel ausgesetzt und also verleitet werden dörffen, den hiesi- Platz zu verlassen. Diesen Schluß hätte Regierung bey ihrem ganzen Beschränkungsantrage mit gleichem Grunde ziehen können, denn es wird den ansehnlichen Juden eben so schmerzlich fallen, wenn man sie zwingt mit runden Haaren und Perrücken und die Weiber mit seidenen Haaren einherzugehen und die Zugabe der Bärte wird sie nicht um vieles mehr kränken.