Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 153)
- Language
- German
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83 nicht nach Wien kommen dürfen. (Vergl. unsere: Juden in der Leopoldstadt.) Günzburg sei auch schon dreimal ausgewiesen worden. Um sich unkenntlich zu machen, habe er sich den Bart äbschneiden lassen. Beim Rumorhauptmann habe er sich sehr insolent benommen. Auf sein Verlangen erhielt er dann ein besonderes Zimmer. „Da bemerkte die Gattin des Rumorhaüptmannes, daß G. mit dem Christenmensch, die ihm das Essen brachte, einmal unziemlich umgerissen und das andere Mal sich vor derselben völlig entblößte." — Als sie ihm hierauf drohete, sagte er, er werde für eine Ohrfeige 10 sl. geben. Wie natürlich wurde G. hierauf ausgewiesen. Diejenigen Juden, welche in Wien wohnen durften, halten den Titel Hoffactoren und hatten zumeist ärarische Lieferungen. Sie hatten das Recht sich Bedienung zu halten, die jüdischen Ceremonien im Stillen zu üben, auf Reisen Waffen zu tragen, den einfachen Sperrkreuzer zu bezahlen und Waaren an Schulden statt anzunehmen. Mit der Judenordnung vom 5. Mai 1764 (Vergl unser: hundertjähriges Jubiläum der Wiener isr. Cultusgemeinde) öffneten sich den Juden anderweitige Wege um in Wien wohnen zu können; die Hoffactoren hörten auf und durften die Juden ferner nicht mehr Degen tragen. Da es den Factoren gestattet war, fremde Juden in Dienst zu nehmen, so entstand das „Schutz geben", welches bekanntlich bis zum Jahre 1848 dauerte. Wir geben hier die Statistik der jüdischen Familien in Wien aus dieser Zeit so weit wir sie erforschen konnten. Im I. 1691 waren 10 Familien (Vergl. unsere Judenlaufen S. 191). 1723, 11 Familien. (Vergl. Judenlaufen S. 192.) 6*