Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 147)
- Language
- German
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Diese Bitten wurden ihm gewährt. Eigenhändig bemerkte die Kaiserin: „nicht anderst aber als das er nicht mehr dem nachlas von 1500 fl. beger sondern selbe fort continuire Zu zahlen. Dises Hatzfeld zu errinern." Wir können uns hier nicht enthalten eine Bemerkung einzuschalteu. Man macht es dem Juden manchmal zum Vorwurfe, daß er geldgierig sei. War jedoch, fragen wir, diese Geldgier nicht eine natürliche Folge der Gesetze, die . gegen den Juden bestanden? Durch Geld konnte er sich alles verschaffen, konnte er alles erreichen. Gesetz und Recht hörten zu walten auf und verstummten, wenn der Klang des Geldes sich vernehmen ließ. — Waren jedoch die Regierungen nicht noch geldgieriger als die Juden, da sie es nicht scheueten die gegebenen Gesetze zu Gunsten Einzelner, die reich waren, aufzuheben und umzustoßen? — Ihnen war der reichere Jude zumeist auch der bessere Jude. Mir lasen jünst eine Abhandlung: „der Staat ohne Gott" in welcher der Beweis geführt werden will, wie schlecht unsere Zustände sind und wie vortrefflich sie in den frühern Zeiten waren. Wenn wir aber auch alles zugeben wollten, so müßten wir es auf das entschiedenste bestreiten, als würde früher das Recht in vollem Maße zur Geltung gekommen sein. Es bestanden Rechte und Privilegien und diese konnten erkauft werden. Um einen gewissen Preis war Alles zu erlangen. Nein! was man auch unserer Zeit uachsagen mag, das Rechtsbewußtsein ist ein kräftigeres geworden, Maßregeln der Gewalt und Willkür kommen seltener vor. hasten. In Folge einer Beschwerde der Juden am 30. Juni 1756 wurde nach dem Gutachten des Landesgerichtes bestimmt, daß ste nur für Diebstäle einheimischer Juden zu haften haben, „da sie ihre Glaubensgenossen kennen mäßen."